Exzerpt

Hier einige Auszüge meiner bisherigen Arbeiten:

Auszug aus dem Kurzroman "Die Letzte ihrer Art"

„Sag mal, wann hast du das letzte Mal mit jemandem von deiner Art gesprochen?“
Sie blinzelte überrascht, nicht nur, weil er sie offenbar weit besser kannte als sie ihn, sondern, weil sie nicht wirklich eine Antwort wusste. Es war eine Selbstverständlichkeit, dass die Magier nichts von ihrer wahren Identität preisgaben, dass sie so taten, als seien sie ganz gewöhnliche nichtmagisch veranlagte Menschen und genau deshalb konnte sie seine Frage kaum beantworten. Auch, wenn man sich untereinander durchaus zu erkennen in der Lage war. Immerhin hatte sie auch in seinem Fall sofort gewusst, dass er ein Magier war und ein Feuermagier wusste für Gewöhnlich, wenn er einem Feuermagier gegenübersaß. Allerdings war es tatsächlich lange her, dass sie das getan hatte. Seit dem Tod ihres letzten Familienmitglieds immer seltener…
„Ich…“
„Enya, du bist die letzte Feuermagierin.“
Für den Bruchteil einer Sekunde stand die Welt still. Sämtliche Geräusche um sie herum wurden vom Rauschen in ihren Ohren verschluckt, sämtliche Bewegungen verschwammen zu einem bedeutungslosen Nichts. Der Schwindel, der sie ergriff, konnte kaum vom Alkohol stammen, auch, wenn sie nicht sonderlich viel davon vertrug. Die Unglaubwürdigkeit seiner Worte vermischte sich mit der dunklen Erkenntnis, dass sie es bereits geahnt, aber nicht hatte wahrhaben wollen. Aber die Letzte? Die wirklich Allerletzte?

Einblick in den Roman "Die rote Seidenkappe" (Düsternysuniversum)

Wenn ein Düsternysser morgens aus dem Haus trat, eines jener Exemplare aus Holz und mit einem Strohdach, denn es gehörte zu einem Volk, das alles schlecht zu machen gewillt war, nun einmal dazu, dass es nicht im Luxus schwamm und auch nicht fortschrittlich mit der Zeit ging, sondern eher stagnierte und auf alt Bewährtem bestand, nun, wenn ergo ein Düsternysser morgens aus dem Haus trat, wünschte er seinem Nachbarn einen besonders schlechten guten Morgen, sah mit zusammengekniffenen Augen zur Sonne und schon schob sich eine Wolke davor… und irgendwo hinter den bewaldeten Bergen fing es vermutlich an zu regnen.
Wenn ein Düsternysser, oder in diesem Falle sei wohl eher die weibliche Form genannt, ergo eine Düsternysserin, am Bach die Wäsche wusch und ein kleiner, feiner Schmetterling erfreute sie mit seinem farbenprächtigen Anblick und sie wedelte mit ihrem Lappen in seine Richtung und zischte „Fahr zur Hölle!“, dann konnte man sich sicher sein, dass er genau das auch tun würde, sofern ihr Ausspruch im wörtlichen Sinne gemeint gewesen war. Und davon war in neunzig von hundert Fällen auszugehen. Vielleicht beließ man es beim Sprichwörtlichen, wenn man mit seinem Ehegatten sprach, dann wohl, ja. Aber womöglich auch nicht immer. Jedenfalls ist es daher kaum verwunderlich, dass die meisten Tiere das Dorf mieden und schon lange kein Schmetterling mehr auf die Idee gekommen war, seine Farbenpracht zu demonstrieren, es sei denn, ein sehr einfältiger. Oder ein sehr eitler…
Wenn ein Düsternysser durch den Wald ging und dort im Vorübergehen, ohne wirklich hinzusehen, ein Blümlein berührte, so ließ es augenblicklich den Kopf hängen und wenn es mehr als eine bloße Berührung war, wenn es ein rechtes Zupacken wurde, dann konnte das Blümlein gänzlich vergehen.
Und weil es so simpel war und die Lebensaufgabe eines jeden Dorfbewohners das Schlechte in die Welt zu bringen, war Düsternys vermutlich das sowohl unglücklichste als auch Unglück bringendste Dorf weit und breit und darüber sehr glücklich. Das Schlechtmachen steckte jedem Düsternysser im Blut und erfüllte ihn bis in die schwarz verkrusteten Fußnägel. Jedem, außer Ninette. Mal ganz davon abgesehen, dass ihre Fußnägel nicht schwarz verkrustet waren, sondern blitzblank und sauber, denn wenn sie abends ihr Bad nahm, wurde das Wasser bei der Berührung nicht trüb und schmutzig, sondern duftete nach Rosen und schäumte wohlig…
Wenn Ninette morgens aus dem Haus trat, wünschte sie allen Nachbarn einen famosen guten Morgen, sah mit strahlenden Augen zur Sonne und diese strahlte zurück… und irgendwo hinter den bewaldeten Bergen erschien ein schillernder Regenbogen.
Wenn Ninette am Bach die Wäsche wusch und ein kleiner, feiner und zudem äußerst mutiger Schmetterling erfreute sie mit seinem farbenprächtigen Anblick, bewunderte sie ihn mit schiefgelegtem Kopf, streckte verträumt den Finger aus und die beiden wurden Freunde.
Wenn Ninette durch den Wald schlenderte und dort im Vorübergehen, ohne wirklich hinzusehen, ein Blümlein berührte, so schmiegte es sich augenblicklich an ihren Finger und wenn es mehr als eine bloße Berührung war, wenn es eine Berührung und ein Blick war, so reckte das Blümlein den Kopf und wuchs um einen ganzen Zentimeter.